Dynamo für alle Kinder
Dynamo für alle Kinder e.V. in den Medien

Dienstag, 27. Dezember 2011
(Sächsische Zeitung)
Das Erlebnis Dynamo für alle Kinder
Den Eintritt kann sich nicht jeder leisten. Ein Verein hilft mit Freikarten.
Von Sven Geisler
Dynamo-Fans tragen stolz diesen Schal: „Danke Papa, dass du mich damals mitgenommen hast“, steht schwarz auf gelb. Die Begeisterung für den Dresdner Traditionsklub wird in vielen Familien von Generation zu Generation weitergegeben. Was aber, wenn Papa den Stadionbesuch nicht bezahlen kann?
Martin Kuntzsch weiß, wie die Ticketpreise in den vergangenen Jahren gestiegen sind. „Als ich 1999 mein erstes Dynamo-Spiel live erlebte, kostete die Karte noch sechs D-Mark“, erinnert sich der 27-Jährige: „Jetzt muss man für einen Stehplatz 11,50Euro hinlegen, ermäßigt nur zwei Euro weniger.“ Deshalb engagiert sich Kuntzsch im Vorstand des neugegründeten Vereins „Dynamo für alle Kinder“. Dessen Anliegen ist es, Kindern aus sozial schwachen Familien den Stadionbesuch zu ermöglichen.
Das Projekt gibt es seit etwa drei Jahren. Bisher wurde es durch die Kindervereinigung Dresden betreut, von der es nun an die Fangemeinschaft Dynamo herangetragen wurde. Berno Herklotz, der ursprünglich diese Idee hatte, ist darüber besonders froh: „Die Initiative ist dort angekommen, wo sie hingehört: Sie liegt jetzt in den Händen engagierter Dynamo-Fans.“ Wie es Kuntzsch und seine Mitstreiter im Vorstand, Sven Jänchen und Klaus Schräpler, sind.
„Dynamo“, meint der 62-jährige Schräpler, „hat auch eine soziale Ader.“ Seit 2000 arbeitet er ehrenamtlich im Jugendrat, betreute jahrelang die jüngsten Kicker, die „Bambinis“. Aber die Mannschaft wurde aufgelöst. Sie passt nicht mehr ins Nachwuchskonzept. In den Schmollwinkel wollte sich Schräpler trotzdem nicht zurückziehen. „Das muss man trennen“, sagt er: „Ich habe immer zum Verein gestanden, bin als Übungsleiter auch nach dem Abstieg in die vierte Liga nicht weggerannt.“
Jänchen sieht das genauso. Der kaufmännische Leiter des Technik-Unternehmens Ubigrate war von November 2009 bis März 2010 Vorsitzender des Aufsichtsrates, verlor aber einen internen Machtkampf. „Dynamo ist für mich kein rotes Tuch“, meint er: „Schließlich bin ich schon als Zehnjähriger mit meinem Vater zum ersten Mal ins Stadion gegangen, damals zu einem Spiel gegen Union“, sagt Jänchen. Heute nimmt der 43-Jährige seine Söhne Felix (neun Jahre) und Richard (17) sowie manchmal auch die zwölfjährige Tochter Miriam mit in den Familienblock des Glücksgas-Stadions. Im neuen Ehrenamt verbindet er seine Leidenschaft für die SGD mit gesellschaftlicher Verantwortung. „Dazu bin ich durch mein christliches Elternhaus erzogen worden. Das ist praktizierter Nächstenliebe.“
Konkret für Mädchen und Jungen zwischen sechs und 14Jahren, deren Eltern kein Geld übrig haben für ein Ticket. Bis zu zehn Karten kauft der Verein zu günstigen Konditionen. Die Kinder werden bei ihrem Besuch im Stadion betreut. Damit die Initiative den Richtigen zugute kommt, arbeitet der Verein mit dem Fanprojekt zusammen, sucht den Kontakt zu wohltätigen Einrichtungen und Schulen. In der Landeshauptstadt gilt beispielsweise der „Dresden-Pass“ als Beleg. Wer den bekommt, wurde bereits als sozial bedürftig eingestuft.
Ex-Profi Jeremies spendet
„Wir wollen aber unbedingt auch auf die Region ausstrahlen“, erklärt Jänchen. Dynamo könne für Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen „ein fester Punkt sein, mit dem sie sich identifizieren“, meint Kuntzsch: „Bei Niederlagen oder Abstieg leidet man mit, aber dafür sind die Glücksgefühle wie nach dem Aufstieg zehnmal größer.“
Der Verein „Dynamo für alle Kinder“ will das Projekt weiterentwickeln. „Es reicht uns nicht, eine spendensammelnde Organisation zu sein“, sagt Jänchen. So könnte er sich Ferienfreizeiten oder Fußballcamps mit den Zweitliga-Profis vorstellen. Schräpler ergänzt: „Fußball kann man nicht nur passiv erleben, sondern auch aktiv betreiben. Dazu muss man nicht das Dynamo-Emblem tragen, sondern kann auch in anderen Vereinen spielen.“
Bei Dynamo-Geschäftsführer Volker Oppitz musste die Initiative nicht erst um Unterstützung werben, denn der dreifache Vater engagierte sich von Anfang an als „Schirmherr“. Und mit Jens Jeremies hat ein ehemaliger Spieler bereits eine erste Spende überwiesen für den guten Zweck.


